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Recycling

Weltweit werden mehr als 90 % der Kunststoffe nicht recycelt. Einmalverpackungen landen viel zu häufig in Verbrennungsanlagen, Mülldeponien oder direkt in unserer Umwelt.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft produziert jeder Mensch in Deutschland pro Jahr 37 Kilo Müll in Form von Plastikverpackungen. Circa 60 % aller Kunststoffabfälle werden verbrannt und gerade mal 38 % recycelt.


Wieso wird so wenig Plastikmüll recycelt?

Das liegt vor allem an den verschiedenen Arten von Kunststoff. Weiche Wasser- oder Getränkeflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET) und härtere Flaschen wie Waschmittelbehälter aus hochdichtem Polyethylen (HDPE) können bei sortenreiner Sammlung üblicherweise in den kommunalen Systemen recycelt werden.

Beim mechanischen Recycling wird sortenreiner Kunststoff zerkleinert und kann dann als Rezyklat für neue Produkte verwendet werden. Dies geht jedoch meist mit einem Downcycling einher. Das heißt, dass nicht mehr ein Produkt derselben Qualität, sondern ein Produkt niedrigeren Wertes produziert wird, z.B. Parkbänke oder Blumenkübel. So werden in Summe nur 7 % der PET-Flaschen wieder zu neuen PET-Flaschen.

Schwieriger wird das Recycling bei flexiblen Plastikverpackungen, wie Folien, Beuteln oder Tüten. Diese Verpackungen bestehen aus unterschiedlichen Kunststoffarten, Farb- und Zusatzstoffen und sind sogenannte Mischmaterialen. In den Sortieranlagen wird die Kunststoffart mit einem Nahinfrarot­scanner anhand der Lichtreflexion des Materials bestimmt. Bei Mischmaterialen können die Sortieranlagen jedoch keine Sorte mehr identifizieren und deklarieren diese Verpackungen deshalb als Reststoffe.

Die Kombination aus diesen technischen Schwierigkeiten und den niedrigen Kosten für die Neuproduktion von bspw. Polypropylen (Ausgangsstoff der meisten flexiblen Verpackungen) führt dazu, dass bislang kein ausreichend großer Markt für das massenhafte Recycling von Verpackungsmüll entstanden ist.

Deshalb sind wir aktuell noch weit von einer echten Kreislaufwirtschaft entfernt. Diese würde vorsehen, dass jedes Stück Plastikmüll zum Ausgangsstoff für Neuverpackungen würde, die folgerichtig wieder recycelbar wären.


Was tut die Politik gegen diese niedrige Recyclingquote?


In Deutschland ist das duale System für die Müllverwertung zuständig. Dies sind Recyclingfirmen, die darauf spezialisiert sind, Müll zu sammeln, ihn in die einzelnen Wertstoffe zu sortieren und wieder zu Rohstoffen zu verarbeiten.

Bis 2019 lag die gesetzliche vorgeschriebene Recyclingquote bei nur 36 %. Dieses niedrige Ziel konnte mit den vorhandenen Recyclingsystemen und dem Export von Plastikmüll in andere Länder erfüllt werden. Investitionen in fortschrittlichere Kunststoffsortieranlagen oder in Innovationen für den Recyclingprozess wurden deshalb vernachlässigt.

Seit 2019 ist nun das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das bis zum Jahr 2022 die Recyclingquote von 36 % schrittweise auf 63 % erhöhen soll. Zur Erreichung dieses Ziels wird unter anderem der Einsatz von Rezyklat für neue Produkte finanziell belohnt. Jedoch wird hierbei nicht zwischen dem leicht verwertbaren Industriemüll, der z.B. direkt bei der Kunststoffproduktion anfällt (Post-Industrial) und dem schwer recycelbaren Verbrauchermüll unterschieden (Post-Consumer), obwohl letzterer maßgeblich für die Umweltverschmutzung verantwortlich ist. Somit könnte zur Erfüllung der Quote vornehmlich Industriemüll verwertet werden und der Verpackungsmüll bleibt weiter als großes Umweltproblem bestehen. Bis 2025 soll mehr als die Hälfte aller Verpackungen aus Plastik recycelt werden. Und bis 2030 soll es keine Verpackungen aus Plastik mehr geben, die nicht recycelt werden können. Dies setzt auf Hersteller und Händler, die zunehmend dazu gezwungen werden bereits beim Design die Verwertung der Verpackung zu durchdenken.

Produkte die nach den „Design for Recycling“-Grundsätzen konzipiert werden, bestehen aus weniger Plastiksorten (im besten Fall bereits recyceltes Monoplastik) und Farb- sowie Zusatzstoffen, um eine optimale Recyclingfähigkeit zu erhalten. Das Verpackungsgesetz sieht vor solche recyclingfreundlichen Verpackungen über eine Reduktion der Lizenzgebühren für das Inverkehrbringen der Verpackung zu fördern.

Einen weiteren kleinen Schritt hin zu weniger Verbrauchermüll ist die EU mit dem Verbot von Einwegplastik-Artikeln wie Strohhalme, Einwegbesteck oder Wattestäbchen gegangen.

Ein weiterer wichtiger internationaler Einschnitt war der Importstopp für ausländischen Müll den China im Jahr 2017 verhängt hat. Hierdurch wurde Europa gezwungen den eigenen Abfall auch in Europa zu verwerten. Dies hat die Müllverwertungsindustrie motiviert in neue Anlagen und bessere Technik zu investieren, um effizienter und hochwertiger recyceln zu können.


Welche neuen Recyclingmethoden gibt es?


Mit der Hilfe von Kristallen will Jochen Mößlein Mischkunststoffe ganz einfach sortierbar machen. Mit seiner Firma Polysecure kombiniert er für unterschiedliche Stoffgemische Marker aus synthetisierten Kristallen, die auf den Barcode aufgetragen werden. Diese fluoreszierenden Marker können dann in Sortieranlagen durch einen Laser die unterschiedlichen Materialien identifizieren und somit sortierbar machen, ganz unabhängig von Bedruckung oder Verschmutzung.

Ganz ohne vorheriges Sortieren soll eine Art Plastikwaschmaschine Kunststoffgemische recyclingfähig machen. Im sogenannten CreaSolv-Prozess der CreaCycke GmbH von Dr. Gerald Altnau wird der Plastikmüll gereinigt und zu Flakes zerkleinert. Diese Kunststoffflakes werden dann in einer Spezialflüssigkeit aufgelöst. Aus dieser Flüssigkeit werden die einzelnen Kunststoffsorten herausgefiltert, getrocknet und wieder zu Granulat verarbeitet. Dieses Granulat soll so hochwertig sein wie neuer Kunststoff und vermeidet somit Downcycling.

Ein heiß diskutiertes Recyclingverfahren ist das chemische Recycling. Hierbei werden die langen Molekülketten der Polymere durch extreme hohe Temperaturen zerlegt. Durch diese sogenannte Pyrolyse kann aus den Plastikabfällen wieder Öl gewonnen werden. Für dieses Verfahren sind jedoch neben sehr viel Energie auch noch chemische Lösungsmittel notwendig, wodurch die Umweltwirkung des chemischen Recyclings eher negativ ausfällt.

Auf dem Weg zu einer echten nachhaltigen Kreislaufwirtschaft gilt es also zunächst Produkte recyclingfähig zu designen (RETHINK), Abfälle zu vermeiden (REFUSE), Produkte möglichst lange wiederzuverwenden (REUSE) und Rohstoffe am Ende eines Lebenszyklus vollständig zu recyceln (RECYCLE) oder im besten Fall zu kompostieren (ROT).


#nadasimplyfact: Polyurethan (PU) ist ein sehr leichter und gut isolierender Kunststoff, der massenhaft in Produkten wie Kleidung, Surfbrettern, Schuhen oder am Bau genutzt wird. Bislang ist dieser Kunststoff nicht recycel- oder wiederverwertbar. Forschende des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) haben jetzt einen Mikrobenstamm aus dem Erdboden entdeckt, der sich von PU ernähren kann. Die Forschenden nahmen Bodenproben mit Plastikmüll und wartetet ab welche Bakterienstämme darin ohne das Zuführen von Nahrung überleben konnten. Die überlebenden Bakterienstämme sind in der Lage aus dem Polyutheran Energie zu gewinnen und scheiden Enzyme aus, die dann wiederum die Zersetzung der Plastikbestandteile in Gang setzen.


#recycling #noplanetb

Quellen:

Annegret Faber (2020): Bio-Recycling: Bakterie zerlegt Plastikmüll

https://www.mdr.de/wissen/forschung-leipzig-plastik-recycling-mit-bakterien-100.html


Greenpeace e.V. (2019): Das Wegwerf-Prinzip: Wie Scheinlösungen der Verpackungsindustrie die Müllberge wachsen lassen

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s02671-greenpeace-report-plastikmuell.pdf


NABU (2019): Auswege aus der Müllverbrennung

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/verbrennung/26950.html


TrenntMagazin (2019): Großer Käse

https://trenntmagazin.de/grosser-kaese/


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